Das Liegerad


Moor - Erlebnis - Tour 2005 | Drucken |
Geschrieben von Enno Edzards   
Thursday, 05 May 2005

Moor - Erlebnis - Tour

Freitag, 6. Mai 2005, ein Tag nach Himmelfahrt, 9 Uhr am Kreisel Bloherfelder Straße in Oldenburg - Martin und Nils, zwei Liegeradfahrer aus Oldenburg, Jens, einer aus Hamburg, Gregor, ein Aufrechtfahrer aus Oldenburg, sind fest entschlossen die für heute und morgen geplante Fahrradtour trotz mieser Wettervorhersagen und kalten Temperaturen zu starten. Wir wollen die Moorerlebnistour im Saterland abfahren. Das bedeutet täglich 100 km, denn bis zu der Route sind es ca. 50 km, die Route selbst ist 100 km lang, also noch einmal 50 km am Tag.

Es geht los bei trockenem Wetter und bedecktem Himmel, raus aus Oldenburg über den Küstenkanal durch das Vehnemoor. Wir kommen durch Bösel und erreichen nach ca. 2 Stunden Friesoythe. Ich möchte mir bei der unsicheren Wetterlage nicht die ganze Tour zumuten und bin deshalb mit dem Auto nach Friesoythe gefahren, wo ich die anderen bei der Kirche treffe. Nach einigen verkehrstechnischen Problemen - die Radfahrerampeln dort erlauben nur hin und wieder, und auch nur bei gutem Zureden, ein Überqueren der Straße - erreichen wir die Stadtgrenze und fahren weiter nach Neuscharrel in Richtung Esterwegen. Bisher hat es nur zweimal einen Regenschauer gegeben, und wir konnten uns unterstellen.

Wir biegen ab und überqueren den Küstenkanal, wo die Moorerlebnisroute durch das Saterland und um das große Moor, die so genannte „Esterweger Dose“, beginnt.

Es weht zwar ziemlich heftig aus Nordwest, aber sonst lässt sich die Sonne immer öfter blicken und es ist trocken.

Mittagpause am Küstenkanal

Mittagspause am Küstenkanal


Unser Weg führt über kleine Moorstraßen nach Scharrel und Ramsloh.

Unterwegs sehen wir, dass an manchen Stellen immer noch Torfabbau in großem Stil betrieben wird, obwohl Moore schon seit langem wegen der seltenen Flora und Fauna als schützenswert gelten. Hat der Mensch sie erst ausgebeutet, versucht er die Moore, die in vielen tausenden Jahren entstanden sind, wieder aufwändig zu renaturieren.

Maibaim von Scharrel

Maibaum von Scharrel


Wir befahren übrigens heute die stark besiedelte Ostseite des Moores und wollen morgen auf der ruhigeren Westseite zurückfahren.

Nachdem wir Strücklingen passiert haben, erreichen wir Elisabethfehn. Damit die Historiker unter uns zu ihrem Recht kommen und weil uns etwas Kultur auch nicht schaden kann, besuchen wir das dortige Moor- und Fehnmuseum. In dem angeschlossenen Cafe lassen wir uns dann noch den traditionellen Buchweizenpfannkuchen mit Tee oder Kaffee schmecken.

Moor- und Fehnmuseum

Moor- und Fehnmuseum



Kopf einer Moorleiche

Kopf einer Moorleiche (Holographie im Museum)


Frisch gestärkt aber doch schon etwas geschwächt vom ständigen Gegenwind lassen wir einen Schlenker der vorgesehenen Route aus und fahren auf direktem Weg nach Barßel und von dort noch 2 km weiter, wo unser heutiges Etappenziel auf uns wartet - das Heuhotel in Tange. Schnell haben wir den Bauernhof, der heute nur noch Heuhotel und Pension ist, gefunden. Nach kurzer Begrüßung durch die Hofbesitzerin bekommen wir unsere Liegebox zugewiesen. Sie ist etwa einen halben Meter hoch mit frischem Heu ausgelegt, und darunter befindet sich noch eine Schicht Stroh. Wir lassen uns auf die weiche Unterlage fallen und versinken fast.

Heuhotel

Eigentlich haben wir keine Lust mehr aufzustehen, aber erstens knurrt uns der Magen, und zweitens will Larsen, der am Nachmittag arbeiten musste, in Barßel noch zu uns stoßen.

Nach einer „ruhigen“ Nacht mit sechs Leuten in einer mit Heu gefüllten Box, sind wir am nächsten Morgen für`s Erste mit entheuen beschäftigt. Dann lecker frühstücken und auf zu zweiten Etappe.

Der Morgen danach

Der Morgen danach.

Radputzen

Fototermin und Rad putzen am Barßeler Hafen.

Radputzen2

Das Wetter ist gut und der Wind hat sich gelegt. Aber wie heißt noch das schöne Sprichwort: Es muss der Tag nicht halten, was der Morgen verspricht. Bei Sonnenschein düsen wir los, um heute die andere Seite (vielleicht ist es auch die Schlechtwetterseite) vom Moor kennen zu lernen. Bis Ostrhauderfehn läuft alles gut, doch dann drohen dicke Wolken mit Regen.

 Ostrauderfehn
Ostrhauderfehn

Ostrauderfehn2

Als der erste Schauer vorbei ist, geht es weiter in fast menschenleeres Moorgebiet mit einigen Moorkaten, die aussehen wie Buswartehäuschen, aber wo keine Menschen leben braucht doch auch kein Bus zu fahren. Egal, wir sind jedenfalls froh, eine Unterstellmöglichkeit gefunden zu haben. Halb durchgeregnet stellen einige von uns nach einer Weile fest, dass es wohl nicht mehr aufhört zu regnen, und sie wollen weiter.

Ich aber habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, und Larsen hat sich schon häuslich eingerichtet. Sein Spirituskocher brennt, und darauf steht ein Topf Chili Concarne. Also trennt sich unsere Gruppe nun, für uns alle war es sowieso etwas eng in der Moorkate. Nachdem wir uns dort ca. eine Stunde aufgehalten haben und Larsen seinen Hausrat wieder eingepackt hat, geben auch wir die Hoffnung auf, dass es noch wieder trocken wird. Also Regenklamotten angezogen und los geht es in Richtung Küstenkanal. Immer wieder drehe ich mich um, um nachzusehen, ob Larsen noch da ist, oder ob er mit seinem Koffer als Schwimmkörper schon weggetrieben ist. Wir erreichen die Bundesstraße, und fahren nun im Dauerregen - und nicht nur das, bei jedem entgegenkommenden Lkw gibt es noch eine Dusche gratis dazu - entlang des Küstenkanals auf kürzestem Weg in Richtung Oldenburg. Als wir die Abzweigung Friesoythe erreichen, verabschiede ich mich von Larsen und überquere die Straße. Als ich mich noch mal umdrehe, steht auf der anderen Straßenseite einer mit einem „Allewedder“ und fragt mich, wohin ich fahre. Dann erzählt er mir, er hätte schon mehrere Liegeradfahrer getroffen, die alle in Richtung Oldenburg fuhren - wer das wohl war? Ich bin froh endlich in Friesoythe zu sein, lade mein Fahrrad ein, schmeiße die Heizung an und fahre heimwärts.

Es war eine schöne Tour, bei der leider am zweiten Tag das Wetter nicht so richtig mitspielte - daran hatte Martin wohl nicht gedacht, als er die Strecke plante. Nein, er hat eine tolle Fahrradtour organisiert und sie gut geführt. Und die Übernachtung im Heuhotel war auch schon eine Erfahrung der besonderen Art.

Gerne wieder, Martin, und vielen Dank.

 Bildergalerie

 

Letzte Aktualisierung ( Monday, 20 March 2006 )
 
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