|
Nun ist schon wieder ein Jahr vergangen und die nächste Maitour mit viel Programm wartet auf darauf, von den ca. 23 Teilnehmern abgefahren zu werden. Alles ist gut vorbereitet, sogar die Sonne scheint wie geplant. Zeit – Freitag 22. Mai 9.30 Uhr am Oldenburger Bahnhof - die Gruppe versammelt sich und startet in Richtung Norden über Wahnbeck, Rastede nach Hahn-Lehmden. Dort werde ich, von Wiefelstede kommend, dazu stoßen und habe für alle eine Kaffeepause im dortigen schnuckeligen Naturbad organisiert. Anschließend fahren wir über Jaderberg und Varel unserem nächsten, besonders kuriosen, Etappenziel entgegen. W ir befinden uns am Jadebusen in Varelerhafen und, wie so oft in diesen skurrilen Piratennestern, muss man mit so manchen Überraschungen rechnen. Dort haben wir ein Treffen mit Käpten Blaubär im Kuriositäten-Museum um 13 Uhr vereinbart. Bekanntlich wird in küstennahen Gegenden von so manchen Seefahrern, inspiriert durch reichlich Alkohol, iel Seemannsgarn gesponnen. Nun ja, unser Käpten jedenfalls musste wohl erst aus seiner Traumwelt geholt werden und taucht um 13.45 Uhr am Hafen auf. Für Kurzweil sorgt in der Zwischenzeit ein netter älterer Herr, der uns mit seinen Seiltricks unterhält – es lebe die Spontaneität. „ Spijöök“ ist der Name dieses Museums, was soviel bedeutet wie Spinnerei. Ausgestellt sind jede Menge gewöhnliche und ungewöhnliche Dinge, die durch die absolut glaubwürdigen Geschichten von Käpten Blaubär zum Leben erweckt werden. Da werden einem alle Illusionen von der christlichen Seefahrt genommen. I m Außenbereich ist dann auch noch ein „original“ sowjetisches Atom-U-Boot zur Besichtigung freigegeben. Und wenn man schon mal in Varelerhafen ist, darf auf keinen Fall ein Fischessen fehlen – sagt man.
Dann verlassen wir diesen geheimnisvollen Ort mit all seinen skurrilen Geschichten in Richtung Brake, wobei sich uns von Westen her eine ziemlich dunkle Gewitterfront nähert. Wer schon mal die Wesermarsch durchquert hat, weiß, dass dieses ein etwas dünn besiedelter Landstrich ist, und man dort auch nicht an jeder Ecke eine Unterstell-Möglichkeit findet. In weiter Ferne, als es schon zu tropfen beginnt, entdecken wir eine Schutzhütte – und das Rennen beginnt (Später wird noch ein zweites Rennen folgen). Die ersten haben Glück und die letzten beißen die Frösche – eigentlich passen nur 5 Personen in diese Hütte und nicht zwanzig. Der Regen lässt bald nach und weiter geht es nach Brake wo wir am späten Nachmittag unser Quartier, das Heuhotel und Melkhus von Bauer Hermann Schildt und seiner Frau Annegret erreichen. Auf dieser Tour werden wir das erste Mal zwei Nächte in der gleichen Unterkunft bleiben. Am Abend werden wir von unseren netten Gastgebern mit Gegrilltem, leckeren Salaten und reichlich Gerstensaft und anderen Getränken verwöhnt. So lieben wir die Abende nach einem kräftezehrenden Tag auf unseren Liegerädern.
N ach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht im Heu starten wir am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück zu unserer Tagestour nach Bremerhaven. Wir befahren auf der Westseite der Weser den Weserradweg in Richtung Norden. Dabei kommen wir durch Brake, Elsfleth, Nordenham, und von Blexen aus setzten wir mit der Fähre über nach Bremerhaven. Davor haben wir aber noch unser zweites Rennen zu bestreiten um die Fähre um 11.40 Uhr zu erreichen, denn zu der Zeit haben wir uns auf der anderen Seite mit unserem Bremerhaven-Führer Rainer verabredet. L etzte Pause vor dem Rennen. Wäre der Blasendruck nicht gewesen, hätten wir die Fähre locker erreicht. So aber hat sich der mit den mächtigsten Waden unter uns so richtig in`s Zeug gelegt, und die Fähre aufgehalten bis alle darauf waren. Auf der Fähre von Blexen nach Bremerhaven, so sagt man, sollte man unbedingt wegen des legendären Geschmacks eine Bockwurst essen. Die Knauserigen unter uns teilen sich lieber eine. Nach einer ca. ¼-stündigen Überfahrt erreichen wir Bremerhaven, wo uns Rainer schon erwartet. Dann fahren wir mit den Fahrrädern zum Radarturm und mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform hinauf. So verschaffen wir uns einen ersten Eindruck von der Stadt aus der Vogelperspektive.
Anschließend cruisen wir noch ein bisschen am neuen Hafen herum, sehen uns das neue, an Dubai erinnernde Hotel, das Mediteranum und das Klimahaus von außen an, um danach zum Fischereihafen zu fahren. Dort ist dann für uns eine Hafenrundfahrt gebucht, diesmal aber mit einem echten Kapitän.
Bevor uns nun aber das Fernweh packt, dass manchmal in Häfen auf einen lauert, besteigen wir schnell wieder unsere Fahrräder und folgen dem Weserlauf in Richtung Süden. Rechts der Weserdeich, links die Luneplate nähern wir uns am späten Nachmittag der Fähre Sandstedt Brake mit der wir wieder übersetzen wollen.
Wieder in Brake angekommen, haben wir das Gefühl, dass unsere Mägen nicht ausgelastet sind. In der Fußgängerzone überfallen wir eine Pizzeria – der Inhaber war vorgewarnt. Uns geht`s wieder gut, und wir freuen uns auf unseren Gastgeber Hermann, der uns einen netten Empfang bereitet. T agsüber musste wohl einer seiner Ställe ausgemistet werden, und das Resultat liegt nun etwa 2 m hoch vor dem Scheunentor. Man kann aber noch gut herumfahren, um unsere Schlafplätze zu erreichen. Na, ob sich Hermann da wohl was merken lässt ? Als wir dann wieder bei Plausch und Bier am Feuer den Tag gemütlich ausklingen lassen, erscheint er – nicht allein – nein, mit Jagdhund. Und was trägt er auf seinem Tablett – eine Flasche von dem braunen Hustensaft, den Männer mit Jagdhunden gerne trinken. Damit ist dann auch für einen guten Schlaf in der kommenden Nacht gesorgt. A m nächsten Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück geht es weiter, aber nicht ohne Dank für die nette Bewirtung und das leckere Essen an Hermann, Annegret und Tochter.
Es ist Sonntagmorgen 9 Uhr. Zunächst führt uns unser Weg nach Ovelgönne, ein uriges Dörfchen, ca. 2 km vom Hof Schildt entfernt. Dort haben wir uns zu einer Führung im Handwerksmuseum angemeldet.
Danach müssen wir uns wieder mal sputen, wir werden das Huntesperrwerk in Elsfleth überqueren und wollen um 13 Uhr dort sein, denn die Brücke ist immer hochgeklappt und senkt sich zu jeder vollen Stunde, so dass nur dann ein Rübermachen möglich ist – es sei denn man ist ein guter Schwimmer. G eschafft – auf der anderen Seite geht`s weiter entlang der Weser, die hier einen schönen, großen Strand hat, zu unserem nächsten Boxenstopp, einem Melkhus. Eine kurze Kaffeepause, mehr ist nicht drin, denn auf uns wartet schon der nächste Termin – ganz schön stressig ist so eine Fahrradtour. Wir sind mit dem Leiter der Storchenstation in Berne verabredet. Hier werden kranke, schwache oder verletzte Störche wieder aufgepäppelt und anschließend ausgewildert. Schuld an diesen Umständen ist meistens der Mensch, der wildlebenden Tieren immer mehr deren Lebensraum beschneidet. So benutzen die Störche heute oft unsere Hinterlassenschaften zum Nestbau, wie uns der „Storchenvater“ zeigt. Nach dieser interessanten Exkursion in die Tierwelt wird es Zeit, dass wir langsam wieder Kurs auf Oldenburg nehmen, wo unsere Reise zu Ende geht. Vorher legen wir aber bei der Klosterruine im historischen Viertel von Hude noch eine Kaffeepause ein. Wie man sieht, scheint bei einigen von uns auch die Luft raus zu sein. Die Teilnehmer, die aus Richtung Bremen/Hamburg kommen verabschieden sich hier von uns und machen sich auf ihren Heimweg. Sabine befindet sich scheinbar im Zustand böser Erwartung eines unerfreulichen Ereignisses. Bei der Weiterfahrt nach Oldenburg bemerkt sie eine Instabilität ihres Fahrrads, was sich bei genauerem Hinsehen als Rahmenbruch unter dem Sitz herausstellt. Sie kann nicht weiterfahren und lässt sich abholen. Schade, und das kurz vor unserem Ziel. E twa gegen 18 Uhr erreichen wir es, der Oldenburger Bahnhof. Dort trennen sich unsere Wege und freuen uns, dass wir wieder mal ein tolles Wochenende mit vielen schönen Eindrücken bei herrlichem Sonnenschein erleben durften.
Anhänge von Joachim: Der GPS-Track auf www.gpsies.com PDF-Dokument |